AMPHIBIENWANDERUNG – Immer wieder an den selben Ort zurück!?

 

Seit bald 30 Jahren haben Naturschützer des LBV Landsberg und einige treue, freiwillige Helfer dem Amphibientod auf unseren Straßen im Landkreis den Kampf angesagt. Ohne dieses vielfache Engagement wäre es um unsere Frösche, Molche und Kröten in unserer Heimat deutlich schlechter bestellt.

Damit nicht jedes Jahr Tausende von Erdkröten, Molchen und Fröschen überfahren werden, bauen freiwillige Helfer an den besonders kritischen Wanderstellen „Krötenschutzzäune“ an den Straßenrändern auf und stellen zusätzlich Warnschilder auf. Diese Schilder sollen die Autofahrer ermahnen, langsamer zu fahren und auf die wandernde Amphibien zu achten. Oft leider nur mit sehr, sehr mäßigem Erfolg.

 

Wir unterhalten und betreuen im Moment an sechs Stellen im Landkreis Amphibienschutzzäune:

 

1. Zaunstrecke ist in PFLAUMDORF

Vorkommen: Fast nur Erdkröten, Molche, ein paar Gras- und Springfrösche

 

2. Zaunstrecke ist in ERESING

Vorkommen: Hauptsächlich Erdkröten, ein paar Molche und sehr wenige Frösche

 

3. Zaunstrecke ist in GELTENDORF

Vorkommen: Viele Arten von Fröschen, Erdkröten und vier Arten von Molchen

 

4. Zaunstrecke ist in GERETSHAUSEN

Vorkommen: Hauptsächlich Erdkröten, Frösche und verschiedene Molche

 

5. Zaunstrecke ganz im Norden des Landkreises in EGLING an der Paar

 

6. Zaunstrecke ganz im Süden des Landkreises in MUNDRACHING

 

Einige zuvor über viele Jahre von uns betreute Wanderstrecken wurden aufgegeben, weil an diesen Stellen die Populationen der Amphibien durch intensive Landwirtschaft und starke Waldarbeiten teilweise auf Null zurückgegangen sind. Diese Standorte sind in der Regel für immer verloren, manche werden sich über sehr lange Zeit vielleicht ganz langsam regenerieren.

 

Was sind Amphibienschutzzäune?

Amphibienschutzzäune sind etwa kniehohe grüne Plastik­bahnen (Netze oder glatte Folien), über welche die Amphibien in der Regel nicht springen können. Kröten können aber sehr gut klettern, und so schaffen es immer wieder einige, den Schutz­zaun zu überwinden. Auch für Molche stellen die Zäune oft kein Hindernis dar und Springfrösche, wie schon der Name sagt, überwinden den Zaun einfach mit einem kleinen Sprung.

 

Wie funktionieren Amphibienschutzzäune?

Die Amphibien hinter dem Zaun gehen immer weiter an der Plastikfolie entlang, in der Hoffnung, irgendwo doch einen Durchschlupf zu finden, bis sie dann in die im Abstand von ein paar Metern eingegrabenen Fang­eimer fallen. Von dort werden sie frühmorgens (6.00 – 7.00 Uhr) und spätabends (23.00 – 24.00 Uhr) per Hand in die mitge­brachten Transporteimer umgesetzt und dann auf die andere Straßenseite zu den jeweiligen Laichgewässern gebracht.

Das Übersetzen der in Fangeimern eingesammelten Amphibien bietet eine gute Gelegenheit, Daten zum örtlichen Arten­spektrum zu erheben. Vor dem Aussetzen auf der anderen Straßen­seite/Gewässer werden deshalb die Anzahl, die Art und das Ge­schlecht der Tiere notiert, sofern es feststellbar ist.

 

Die Amphibienwanderung

Bei der Amphibienwanderung handelt es sich um eines der faszinie­rendsten, aber auch seltsamsten Phänomene der Natur.

Wenn die Tage im Februar und März wieder länger werden, erwachen die Amphibien aus ihrer Winterstarre und warten auf einen geeigneten Zeitpunkt (+ 4 bis + 6 Grad sind ideal), die Wanderung zu ihrem, seit vielen Generationen ange­stammten Laichgewässer zu beginnen. Wenn es jetzt noch anfängt zu regnen, sind die Tiere nicht mehr zu halten. Als hätten sie sich abgesprochen, machen sie sich aus allen Richtungen auf den Weg zu dem Teich, in dem sie geboren wurden. Diese "geheime Absprache" funktioniert so gut, dass in einer Nacht mehrere hundert oder tausend (je nach Standort) Tiere beim Überqueren einer Straße gezählt werden und in den darauffolgenden Nächten nur ein paar Dutzend. Tage später sind es wieder hunderte.

Bei einem Kälteeinbruch (unter + 4 Grad ) oder bei Schneefall, was um diese Jahreszeit noch ganz normal ist, stoppt die Wanderung und beginnt wieder, wenn es wieder etwas wärmer geworden ist.

Wiesen, auf denen um diese Jahreszeit Stickstoff von den Landwirten ausgebracht wird, können zur tödlichen Falle für alle Amphibien werden. Die Tiere verätzen/verbrennen sich auf ihrer Wanderstrecke über diese Wiesen ihre sehr weiche und empfindliche Bauchunterseite und gehen jämmerlich zu Grunde. Auch das ist ein Grund für den Rückgang von manchen Populationen.

Unsere heimischen Amphibien gehen teilweise bis zu fünf Kilometer, um „ihren“ Tümpel zu erreichen. Für so kleine Tiere, die sich durchs hohe Unterholz kämpfen müssen, eine Wahnsinnsleistung!

Nach der Eiablage verlassen die Elterntiere wieder das Gewässer und verbringen den Rest des Jahres wieder in „ihrem“ Revier, um sich im Herbst wieder im Laub zu vergraben und auf das nächste Frühjahr zu warten.

Ihre „Kinder“ folgen ihnen dann nach etwa drei bis vier Monaten nach – vorausgesetzt sie bleiben alle am Leben.

Je mehr man über die Lebensweise der Kröten & Co. weiß, desto interessanter werden sie. Und so haben sich diese ehemaligen Ekeltiere in den letzten Jahren zu Sympathieträgern entwickelt. Gleichzeitig stieg aber die Bedrohung der ansonsten recht anspruchslosen Amphibien durch die moderne Landwirtschaft und den zunehmenden Straßenver­kehr, da es immer weniger Platz für Teiche gibt und die Tiere immer längere Wanderwege zurücklegen müssen.

Entgegen der irrigen Meinung, dass Amphibien immer nur „ihr“ Laich­gewässer aufsuchen, haben neu angelegte Ausgleichsgewässer innerhalb einer gewissen Übergangszeit sehr gute Chancen, von den Tieren angenommen zu werden.

Um zu ihren ursprünglichen Laichgewässern zurück zu finden, haben die Amphibien in ihrem Gehirn ein besonderes Organ. Damit können sie die verschiedenen Himmelsrichtungen feststellen. Außerdem können sie sich sehr gut an Waldwegen und Waldrändern orientieren. Und wenn sie in der Nähe ihres Gewässers angekommen sind, erkennen sie es sogar am Geruch.

Oft gibt es aber die Teiche, in denen die Amphibien aufgewachsen sind, gar nicht mehr. Entweder sind sie vertrocknet, oder durch Straßen verbaut. Dann machen sich die Tiere auf die Suche nach neuen Gewässern zum Ablaichen.

 

Um diese sehr wichtige Naturschutzarbeit zur Arterhaltung weiterhin zu gewährleisten, ist es wichtig, auch in Zukunft viele engagierte Menschen für diese Arbeit zu gewinnen und begeistern zu können.

Bei Interesse bitte unter der Telefonnummer 08193 - 999350 (Herr Kress) oder unter E-Mail: newaspect.grafik@t-online.de melden.

 

Sie werden sehen, Ihr Einsatz für die Natur lohnt sich!!!

Anselm Kress

 

 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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