Amphibienwanderung im Landkreis

Erdkröte am Schutzzaun
Foto: Ralph Sturm/LBV Bildarchiv

Seit über 30 Jahren haben Naturschützer des LBV Landsberg und freiwillige Helfer und Helferinnen dem Amphibientod auf unseren Straßen den Kampf angesagt. Ohne dieses vielfache Engagement wäre es um unsere Amphibien in unserer Heimat deutlich schlechter bestellt.

 

Damit nicht jedes Jahr Tausende von Erdkröten, Molchen und Fröschen überfahren werden, bauen freiwillige Helfer an den besonders kritischen Wanderstellen „Krötenschutzzäune“ an den Straßenrändern auf und lassen Warnschilder aufstellen. Diese Schilder sollen die Autofahrer dazu bringen, langsamer zu fahren und auf die wandernden Amphibien zu achten.

 

Was sind Amphibienschutzzäune?

Amphibienschutzzäune sind etwa kniehohe grüne Plastikzäune (Netze oder glatte Folien), über welche die Amphibien in der Regel nicht springen oder klettern können.

Wie funktionieren Amphibienschutzzäune?

Die Amphibien erreichen auf ihrem Wanderweg den Zaun und gehen auf der Suche nach einem Durchschlupf daran entlang, bis sie in die im Abstand von ein paar Metern eingegrabenen Fangeimer fallen. Von dort werden sie frühmorgens (6:00 – 7:00 Uhr) und spätabends (23:00 – 24:00 Uhr) per Hand in die mitgebrachten Transporteimer umgesetzt und auf die andere Straßenseite oder gleich zu ihren Laichgewässern gebracht.

 

Das Übersetzen der in Fangeimern eingesammelten Amphibien bietet eine gute Gelegenheit, Daten zum örtlichen Artenspektrum zu erheben. Vor dem Aussetzen werden deshalb die Anzahl, die Art und das Geschlecht der Tiere, sofern es feststellbar ist, notiert.

Die Amphibienwanderung

Bei der Amphibienwanderung handelt es sich um ein ganz erstaunliches und faszinierendes Phänomen der Natur.

 

Wenn die Tage im Februar und März wieder wärmer werden, erwachen die Amphibien aus ihrer Winterstarre und warten auf einen geeigneten Zeitpunkt (+ 4 bis + 6 Grad sind ideal), die Wanderung zu ihrem ange­stammten Laichgewässer zu beginnen. Sie wandern nur nachts.  Wenn es dann noch anfängt zu regnen, sind die Tiere nicht mehr zu halten. Als hätten sie sich abgesprochen, machen sie sich aus allen Richtungen auf den Weg zu dem Teich, den sie im letzten Jahr verlassen haben. Bei günstigen Bedingungen werden an einem Amphibienzaun in einer Nacht mehrere hundert Tiere gezählt. Drei, vier Wochen lang werden dann Amphibien gesammelt, bis die ersten Rückwanderer eintreffen. Sie laufen viele Wochen lang vereinzelt und müssen mit viel Glück ohne Hilfe die Straßen überqueren.

 

Bei einem Kälteeinbruch (unter + 2 Grad) oder bei Schneefall, was um die Jahreszeit noch ganz normal ist, stoppt die Wanderung und beginnt wieder, wenn es wieder etwas wärmer geworden ist.

 

Wiesen, auf denen um diese Jahreszeit von den Landwirten Stickstoff ausgebracht wird, können zur tödlichen Falle für alle Amphibien werden. Die Tiere verätzen auf ihrer Wanderstrecke über diese Wiesen ihre sehr weiche und empfindliche Bauchunterseite und gehen jämmerlich zu Grunde. Auch das ist ein Grund für den Rückgang mancher Populationen. Dazu kommt der ständig zunehmende Straßenverkehr und die Abnahme kleiner stehender Gewässer.

 

Unsere heimischen Amphibien wandern oft mehrere Kilometer, um „ihren“ Tümpel zu erreichen. Für diese kleinen Tiere, die sich teilweise durch dichtes Unterholz kämpfen müssen, eine unglaubliche und bewundernswerte Leistung. Dabei tragen oft Erdkrötenweibchen die viel kleineren Männchen schon auf ihrem Rücken. 

 

Nach der Eiablage verlassen die Elterntiere das Gewässer und verbringen den Rest des Jahres wieder in „ihrem“ Revier, um sich in jedem Herbst im Laub zu vergraben und auf das nächste Frühjahr zu warten.

 

Ihre „Kinder“ folgen ihnen dann nach etwa drei bis vier Monaten nach – vorausgesetzt, sie bleiben am Leben.

 

Wie die Amphibien ihren Weg finden, weiß die Wissenschaft noch nicht. Es gibt verschiedene Theorien, die jedoch schwer zu bestätigen sind. Sie gehen wohl in der Regel zu ihrem Heimatgewässer zurück. Aber wenn es nicht mehr existiert, müssen sie in der Nähe ein neues finden. Anderenfalls geht die Population verloren.

 

Um diese sehr wichtige Naturschutzarbeit zur Arterhaltung weiterhin zu gewährleisten, ist es wichtig, auch in Zukunft viele engagierte Menschen für diese Arbeit gewinnen und begeistern zu können.

 

Bei Bereitschaft zur Mitarbeit und bei Neugier bitte den LBV kontaktieren:  landsberg@lbv.de

Aktuell betreuen wir an elf Stellen im Landkreis Amphibienschutzzäune:

 

1.   a. Zaunstrecke in Pflaumdorf
> fast nur Erdkröten, Molche, ein paar Gras- und Springfrösche

 

1.   b. Eine zweite Zaunstrecke bei Pflaumdorf
> mit einer großen Vielfalt von Erdkröten, Molchen und Fröschen

 

2.   Zaunstrecke in Eresing
> hauptsächlich Erdkröten, ein paar Molche und sehr wenige Frösche

 

3.   Zaunstrecke in Geltendorf
> viele Arten von Fröschen, Erdkröten und vier Arten von Molchen

 

4.   Zaunstrecke in Geretshausen
> hauptsächlich Erdkröten, Frösche und verschiedene Molche

 

5.   Zaunstrecke bei Kaltenberg
> hauptsächlich Erdkröten

 

6.   Zaunstrecke ganz im Süden des Landkreises in Mundraching
> Erdkröten

 

7.   Zaunstrecke bei Achselschwang mit Sperre der Straße nach Steinebach
> hauptsächlich Erdkröten

 

8.   Zaunstrecke bei Friedhelm
> bisher ohne Zaun, Kontrolle

 

9.   Zaunstrecke bei Memming
> hauptsächlich Erdkröten, wenige Molche und Frösche

 

10.Zaunstrecke bei Hagenheim
> fast nur Erdkröten

 

11.Zaunstrecke bei Thaining
> Erdkröten, Molche und Frösche

 

Stand: 2021