Biotopschutz im Landkreis Landsberg

Biotop setzt sich aus den Wörtern "bios" für Leben und "topos" für den Ort zusammen. Streng übersetzt bedeutet Biotop demnach "Lebensort". Und Lebensorte möchten wir Vögeln, Insekten und Pflanzen auf den Grundstücken bieten, um die wir uns kümmern.

Der Biotopschutz ist ein zentrales Anliegen des Naturschutzes und ein wichtiges Instrument, um gefährdete Arten zu schützen und eine Vielfalt zu ermöglichen. Wir möchten diese Lebensräume bewahren oder wiederherstellen. Dafür ist es notwendig, dass die Grundstücke je nach ihren Bedürfnissen gemäht oder entbuscht werden. So halten wir schützenswerte Flächen von Überwuchs frei und schaffen für seltene Pflanzen und Tiere das passende Umfeld.

 

Die Vielfalt an Pflanzen, Tag- und Nachtfaltern, Heuschrecken, Libellen, Vögeln und anderen Tieren erfreut jedes Jahr aufs Neue.

 

Ohne einen intensiven Arbeits- und Finanzeinsatz ist die Rettung dieser letzten Refugien nicht möglich.

Im Landkreis betreut die LBV-Kreisgruppe folgende Flächen:

Breites Moos
Foto: Claudia Thornton

Breites Moos bei Apfeldorf

Moore gehören in Mitteleuropa zu den bedrohtesten Lebensräumen. Die Zerstörung hat hier atemberaubende Geschwindigkeiten angenommen. Die Sicherung dieser Restflächen im Landkreis Landsberg am Lech ist einer der Schwerpunkte in den letzten Jahren des LBV in Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern und der Naturschutzbehörde des Landratsamtes Landsberg. Der LBV hat im Bereich Breites Moos bereits ca. 19 ha angekauft (die Gesamtfläche Breites Moos liegt bei 80 ha), um dort entsprechende Pflegemaßnahmen vorzunehmen. Wiedervernässung sowie teilweise Entbuschung sind notwendig, um den im Moor spezifischen Lebewesen als Biotopinsel zu dienen. In Teilstücken ist Mähen notwendig, um entsprechende Pflanzen zu erhalten und vor Überwucherung zu schützen.

 

Einen ausführlichen Steckbrief zum Breiten Moos finden Sie hier.

Artenvielfalt Welsche Straße
Foto: Christiane Pfohlmann

Welsche Straße bei Kaufering

Wegen ihrer Artenvielfalt, den von Woche zu Woche wechselnden Blühaspekten und dem hohen Anteil seltener Blütenpflanzen wie der Labkrautblättrigen Wiesenraute, dem Breitblättrigen Laserkraut und dem Regensburger Zwergginster zogen Trockenstandorte schon lange das Interesse der Botaniker und Pflanzenliebhaber auf sich.

 

Durch die Artenvielfalt der Pflanzen kommen viele Schmetterlingsarten, Käfer, seltene Heuschreckenarten und Ameisenarten vor. Es ist eine Symbiose im Kreislauf des Zusammenlebens.

 

Einen ausführlichen Steckbrief zur Welschen Straße finden hier.

Lechterrassenhang
Foto: Hans Streicher

Lechhang bei Ellighofen

An den überwiegend an der westlichen Lechseite stufig abfallenden Lechhängen entwickelten sich durch die einstige Schafbeweidung im Laufe der Jahrzehnte sehr artenreiche Kalkmagerrasen. Zu finden waren dort dichte Bestände der bereits im April blühenden blauen Traubenhyazinthe, der dunkelgelben Frühlings- oder Wiesenschlüsselblume; weiterhin im Sommer blühende rote Kartäusernelke, weiße Graslilie, Laucharten und viele weitere typische Vertreter magerer und nährstoffarmer Standorte. Nach dem Ende der Beweidung verbuschten viele Bereiche oder wurden auch mangels maschineller Nutzung aufgeforstet.

 

Die in der Ellighofener Flur noch vorhandenen artenreichen Hänge werden von der LBV-Kreisgruppe seit etwa 30 Jahren alljährlich gemäht und das Mähgut entfernt. Dadurch konnten auf diesen Pflegeflächen Bestände der einst sehr bunten und blütenreichen Magerrasen erhalten werden.

 

Neu hinzugekommen ist in 2020 noch ein unmittelbar an den Hang angrenzendes Grundstück, das bisher von einem Bio-Landwirt bewirtschaftet wurde. Hier haben wir Saatgut vom Hang ausgebracht und heimische Heckengehölze gepflanzt.

 


Hangquellmoor2
Foto: Claudia Thornton

Hangquellmoor am Fahrensbach

Der LBV Landsberg konnte zwischen Utting und Schondorf zwei Grundstücke von je ca. 1 ha erwerben. Es musste schnell gehen, denn die Untere Naturschutzbehörde wollte die Grundstücke für den Naturschutz gesichert haben. Dafür konnte sie den Betrag zu Hälfte aufbringen. Der restliche Eigenanteil wurde durch Mitgliederspenden, u.a. erfreulicherweise auch aus Utting und einer Firmenspende (Fa. Soto – vegetarische Spezialitäten) sowie durch die LBV-Kreisgruppe aufgebracht.

 

Die Grundstücke sind besonders wertvoll, weil es sich teilweise um sogenannte Hangquellmoore, einen sehr selten gewordenen Moortyp, handelt. Hier tritt mineralhaltiges, kalkreiches Grundwasser flächig aus. Dies bewirkt seltene Pflanzengesellschaften wie Kleinseggenrasen mit entsprechender Kleintierwelt, z.B. Schmetterlingen und Libellen.

 

Inzwischen wurden die nicht standortgerechten Fichten entfernt, wodurch dort gedeihende Orchideen – die Sumpfständelwurz - mehr Licht bekommen und besser wachsen können.

 

Auf einem der Grundstücke entdeckten wir ein verzweigtes Netz von Dachsbauten, denn es sind auch trockene und sandige Bereiche vorhanden. Wir sind zuversichtlich, dass zahlreiche Arten von Flora und Fauna, z.B. Orchideen und Amphibien, durch unsere Renaturierungsmaßnahmen profitieren werden. Die weitere Entwicklung beobachten und dokumentieren wir.

 

Einen ausführlichen Steckbrief zum Hangquellmoor finden Sie hier.

Kopfweiden bei Schwabhausen
Foto: Martin Felber

Kopfweiden bei Schwabhausen

Unser ehemaliger Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Raimund Süßmair konnte vor über 30 Jahren bei Schwabhausen einige Grundstücke von Landwirten langfristig für den LBV anpachten. Es sind überwiegend nasse Wiesen in Niedermoorbereichen. Um wieder Gehölzstrukturen in diese intensiv landwirtschaftlich genutzte Landschaft zu bringen, wurden entlang eines Grabens etwa ein duzend Silber-Weiden gepflanzt.

 

Um für freibrütende Vogelarten das Nistangebot zu erhöhen, werden die Weiden in regelmäßigen Abständen zurückgeschnitten, ähnlich wie dies bei einer Kopfweidennutzung für Bindematerial zum Korbflechten üblich ist. Durch diesen Rückschnitt erfolgt eine stärkere Verzweigung, was günstige Nistgelegenheiten schafft.

Wiese_Holocaust_Denkmal
Foto: Claudia Thornton

Wiese am Holocaust-Denkmal in Landsberg

Im Frühjahr 2019 erhielten wir beim Zugang zur Holocaust Gedenkstätte eine 6.000 m² große Grünfläche von Frau Mühlberg zur Pflege, um dort eine artenreiche Wiese zu schaffen.

 

Wir haben heimisches Saatgut streifenweise eingebracht, das auch gut aufgegangen ist. Über die Zeit werden sich die Pflanzen über die ganze Wiese verteilen, wodurch sie von Jahr zu Jahr schöner wird. Wichtig ist nur, dass sie 1-2 Mal im Jahr gemäht wird.

 

Außerdem haben wir heimische Sträucher entlang des Wegs zur Gedenkstätte gepflanzt. Diese bieten mit ihren Blüten und Früchten den Insekten und Tieren bereits Nahrung.


Pfaffenbühl-Filz bei Rott

Im Pfaffenbühlfilz bei Rott haben wir 3 Grundstücke, eine Streuwiese am Rand und 2 Moorflächen, die allerdings noch entbuscht werden müssen.

Die Streuwiese wird im Spätsommer von einem Pferdehof gemäht.

Es handelt sich um eine am Waldrand liegende artenreiche Feuchtwiese. Das Vorkommen der Akeleiblättrigen Wiesenraute und des Schwalbenwurzenzians geben dem Grundstück ein besonderes Bild.

 

Der Erhalt und die Pflege soll dem hier vorkommenden blauschillernden Feuerfalter und anderen Faltern und Insekten zugutekommen.

Hasenschornfilz bei Rott

Das Hasenschornfilz liegt unmittelbar neben dem Pfaffenbühlfilz. Ein im Kernbereich liegendes Grundstück konnte erworben und teilweise entbuscht werden. Die Schaffung einer Freifläche durch die Entfernung vom Gehölzbewuchs zusammen mit entbuschten angrenzenden Flächen bietet dort vorkommenden Moorfaltern Lebensraum.