Flying News - Dezember 2021

Singschwäne am Lech

Auf dem Lech bei Apfeldorf haben sie sich pünktlich wieder eingefunden: Singschwäne aus dem hohen Norden. Und am Sonntag, dem 12. Dezember, ist Schwanenwetter!

 

Schon oben auf der Straße sind ihre Posaunenklänge zu hören, und als wir durch den Schnee nach unten gestapft sind, können wir sie endlich ins Auge fassen: 16 der eleganten Schönen, einige im Wasser, die meisten auf dem Rande des Eises stehend oder ruhevoll hockend. Schneeweiß leuchten sie in der Sonne. Dieser winterliche Stausee am Lech ist für sie das Gleiche wie für unsere Kraniche und Störche Afrika: ihr weit im Süden gelegenes Winterquartier, das sie Jahr für Jahr wieder aufsuchen.

 

Während Höckerschwäne im Flug mit den Flügeln „singen“, duettieren Singschwäne mit ihren Stimmen und lassen die Duette, wenn sie zu Vielen sind, zusammenfließen – Neujahr 2017 ist mir die spannendste Aufnahme gelungen, ein regelrechter Posaunenchor!

Flying News - November 2021

Wer hat hier schon mal einen Wiedehopf gesehen?

Eine Sichtung ist bei uns selten. Dennoch: Wenn man sehr großes Gück hat, lässt er sich auch bei uns während des Durchzugs sehen, manchmal sogar in einem Garten.

 

Die Thaininger Lydia Geisenberger konnte ebendort einen Wiedehopf während seines siebentägigen (!) Gartenbesuchs fotografieren.

 

Der Wiedehopf ist trotz seiner exotischen Erscheinung alles andere als fremdländisch, gehört seit alters her in unsere Kulturlandschaft und war auch in Bayern bis Mitte des letzten Jahrhunderts weit verbreitet. Das letzte bayrische Brutvorkommen erlosch 1997. Die wenigen Brutvorkommen, die es inzwischen wieder in Mittel- und Unterfranken gibt, kann man an zehn Fingern abzählen.

 

Jetzt ist er Vogel des Jahres 2022 geworden. Warum?

 

Er ist Höhlenbrüter, braucht alten Baumbestand in halboffenem Gelände mit nur kurzer Vegetation und als Nahrung insbesondere Großinsekten und ihre Larven - all das, was es aufgrund von Überdüngung, Pestizideinsatz und Flächenfraß bei uns nicht mehr gibt.

 

Gift ist keine Lösung heißt folgerichtig der Slogan, mit der der Wiedehopf zur Wahl antrat.

 

Ich bin ihm letztes Frühjahr in den Kaiserstuhl nachgereist – es war nicht schwer, ihn an Hand seines unverkennbaren „Gesanges“ aufzuspüren – und sogar sein ärgerliches Fauchen mit aufzunehmen (hier bei 00:36 )!

 

Wer ihn im Frühjahr sieht - bitte melden!

Flying News - Oktober 2021

Kleinvogeldurchzug: Schwarzkehlchen

Still und heimlich, von nur wenigen wahrgenommen, geht der Durchzug vieler Kleinvögel weiter. Die meisten ziehen nachts und rasten am Tage.

 

An der Kiesgrube Thaining (Foto siehe unten) gibt es die seltene Gelegenheit, Schwarzkehlchen zu beobachten: zwei Männchen und zwei Weibchen, eines davon diesjährig.

 

Als Ersatz für natürliche Warten dient an solchen Orten der Zaun. Hier sitzen sie immer wieder, fliegen auf, huschen nach unten, verschwinden in den Ruderalpflanzen oder zeigen sich kurz auf dem Weg. Gestern ließen sie sich, bei respektvoller Einhaltung einer recht großen Fluchtdistanz von ca. 30 m, von meiner Power Shot fotografieren (siehe Foto 2 + 3).

 

Im Gegensatz zu den Braunkehlchen sind Schwarzkehlchen Kurzstreckenzieher und können deshalb auch hier und da bis in den November hinein beobachtet werden. Wenn man Glück hat!

 

Oder sie an ihrem markanten Ruf erkennt, der bei Erregung aus harten Schnalzern und kurzen hohen Pfeiftönen besteht (Hörprobe).

Flying News - September 2021

Die Roten und die Schwarzen

Längst jagen die Mauersegler unter afrikanischem Himmel. Viele unserer Schwarzmilane haben schon die Sahara überquert. Die Mehlschwalben sind verschwunden. Hier und da flitzt eine letzte Rauchschwalbe über die Viehweiden. Auf den Dachfirsten singen wieder die Hausrotschwänze

 

Stare sind überall präsent, streunen in Trupps in der Feldmark herum oder schwatzen an ihren Sommerplätzen (siehe Foto 2 + 3).

 

In der Feldmark sind jetzt die Rotmilane besonders augen- und ohrenfällig. Sammeln sich, wenn die Felder gepflügt werden (siehe Foto 1), hocken auf Bäumen und Leitungsmasten (siehe Foto 4 + 5) und rufen einander (Hörprobe).

 

Auch die Raben- und Saatkrähen sammeln sich. In der Hofstettener Feldmark sind wieder „gefleckte Krähen“ aufgetaucht: Rabenkrähen mit unregelmäßig verteilten weiße Gefiederpartien (siehe Foto 6). Es könnte Leuzismus sein, genauer gesagt: Teilleuzismus, eine genetisch bedingte Abweichung, Zur Zeit wird jedoch auch diskutiert, inwieweit solche Fehlfarben durch Umweltgifte entstehen.Ich halte das für wahrscheinlich.

Text: Beatrix Saadi-Varchmin

Fotos: Beatrix Saadi-Varchmin und Jochim Varchmin